
Freundschaften in der Sternenbrücke
Viele Familien erleben, dass sich Freundschaften nach der Diagnose ihres Kindes verändern. Umso wertvoller ist es, Menschen zu begegnen, die ähnliche Erfahrungen teilen und die eigenen Sorgen und Herausforderungen verstehen.
Wenn Verständnis keine Worte braucht
Katharina und Antonina haben sich über eine Medikamentenstudie kennengelernt. Heute verbindet sie eine enge Freundschaft, die weit über die gemeinsame Erkrankung ihrer Kinder hinausgeht. In der Sternenbrücke finden sie einen Ort, an dem sie sich regelmäßig wiedersehen können und an dem auch ihre Kinder Freundschaften geschlossen haben.
Im Gespräch erzählen sie, was ihre Freundschaft ausmacht und warum die Sternenbrücke für ihre Familien ein besonderer Ort geworden ist.
Katharina (l.) & Antonina (r.)
Wann wurde aus eurer Bekanntschaft eine Freundschaft?
Katharina: „Mir fällt spontan eine Situation ein: Nach der Enzymgabe, als alle Kinder schliefen, haben wir uns abends zum ersten Mal nur für uns zwei Sushi bestellt. Das war der Beginn – danach haben wir häufiger zusammen gefrühstückt oder waren mit den Kindern auf dem Spielplatz. (Und dann kam Corona, das hat uns noch mehr zusammengebracht – wir waren über längere Zeit in Hamburg, zwei Hotelzimmer nebeneinander.)"
Was macht die Sternenbrücke für euch besonders?
Antonina: „Mit unseren Kindern woanders Urlaub zu machen, wäre nicht erholsam. Hier können wir gemeinsam etwas unternehmen – Ausflüge ans Meer, abends draußen sitzen, im Wald spazieren –, während unsere Kinder gut betreut sind. Sonst sind wir 24/7 im Einsatz."
Katharina: „Diese Aufenthalte sind für uns wertvoll.“
Was gibt euch der Austausch mit anderen betroffenen Eltern?
Katharina: „Man kann hier ernstere Themen ansprechen, die im Freundeskreis zu Hause nicht vorkommen, oder bei denen man sich nicht traut, weil man nicht weiß, wie Außenstehende reagieren. Oft ist es mit viel Mitleid verbunden, was mir nicht wirklich hilft. Hier setzt man sich abends zusammen und kommt einfach ins Gespräch. An der Situation können wir nichts ändern, aber wir können uns gemeinsam darüber austauschen."
Gibt es Dinge, die ihr nur hier offen ansprechen könnt?
Antonina: „Ich habe in meinem Freundeskreis aufgehört, genau zu erklären, was meine Kinder haben. Wenn ich sage, dass die Krankheit lebensverkürzend ist und es keine Behandlung gibt, kommt meist „Es wird schon“ oder „Denen geht's doch gut“. Aber darum geht es nicht – es geht um den ganzen Stress. Hier versteht das jeder. Und es gibt so viele lustige Geschichten, die man sich hier zu erzählen traut, die unbetroffene Freunde nicht nachvollziehen können."
Welche Rolle spielen Angebote wie die Steinwerkstatt?
Katharina: „In der Steinwerkstatt lernt man die Freundin noch mal von einer ganz anderen Seite kennen und findet heraus, welche Begabungen sie hat. Zu zweit würden wir uns für so einen Kurs nie anmelden. Hier heißt es einfach: Wird angeboten, machen wir – und dann war's schön."
Antonina: „Schön ist auch, dass die Begleitung der Geschwister an dem Tag länger läuft, sodass man mit anderen Eltern zusammensitzen kann. In der Willkommensrunde wird nicht viel preisgegeben – aber wenn man nebeneinandersitzt und an etwas arbeitet, öffnen sich die Leute."
Haltet ihr zwischen den Aufenthalten Kontakt?
Katharina: „Wir versuchen, uns alle zwei, drei Monate zu sehen. Einfach ist das nicht. Wir wohnen weit auseinander und jedes Kind hat seine Termine. Auf die Sternenbrücke freuen wir uns daher schon Wochen vorher – und nicht nur wir, auch die Kinder. Adam fiebert jeden Tag darauf hin.
Und wenn unsere nonverbale Alma die anderen auf dem Gang wiedersieht und sich freut, ist das unbezahlbar. Zwischen den Kindern ist wirklich etwas gewachsen."
Eure Freundschaft in einem Satz?
Katharina: „Trotz der schwierigen Bedingungen, unter denen wir uns gefunden haben, ist es unfassbar wertvoll, dass wir uns getroffen haben, uns so gut verstehen und so viel Zeit miteinander verbringen – weil wir auf einer Wellenlänge sind."
Antonina: „Im Eingangsbereich der Sternenbrücke steht ja, dass man dem Leben nicht mehr Tage geben kann, aber den Tagen mehr Leben.
Genau das haben wir immer versucht: jeden Tag maximal auszupressen. Wenn ich an all die gemeinsamen Ausflüge denke, die wir hier machen können – wir versuchen einfach, das Leben in vollen Zügen zu genießen, trotz aller Schwierigkeiten.“




