Geschichte

Seit dem Jahr 2003 kommen Familien mit lebensbegrenzt erkrankten Kindern zu uns in die Sternenbrücke. Die individuelle Pflege der erkrankten jungen Gäste und die Entlastung der gesamten Familie werden seither von allen haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen ermöglicht. Im Laufe der Jahre konnten wir viele besondere Momente erleben. Hier erfahren Sie von den kleinen und großen Herausforderungen.

1998 Ute Nerge, gelernte Kinderkrankenschwester, betreut neben ihrem Klinikdienst ehrenamtlich betroffene Familien. Immer deutlicher wird ihr bewusst, dass die erkrankten Kinder und ihre Eltern sowie Geschwister keinen Ort haben, an dem sie liebevoll auf ihrem schwierigen Weg begleitet werden. Aus dem Wunsch heraus, dies zu ändern, fasst sie den Entschluss, lebensbegrenzt erkrankten jungen Menschen sowie ihren Angehörigen besser zur Seite zu stehen und hierfür einen besonderen Ort zu schaffen.

Ute Nerge beginnt gemeinsam mit Jenny, einem neunjährigen Mädchen, das an einem Tumor erkrankt ist und von ihr zunächst in der Klinik und dann in der Häuslichkeit begleitet wird, erste Ideen für das zukünftige Kinderhospiz zu sammeln. Für die Umsetzung eines „familiengerechten“ Kinderhospizes mit umfassender palliativ-medizinischer Begleitung findet Ute Nerge in Peer Gent, Leiter eines Pflegedienstes, von dem auch Jenny betreut wird, einen überzeugten Unterstützer und Wegbegleiter.

1999 Zusammen mit der Kinderkrankenschwester Reinhild Pohl, der betroffenen Mutter Christine Oelckers und dem Trauerbegleiter Uwe Sanneck gründen Ute Nerge und Peer Gent am 1. Dezember den Förderverein für das Kinder-Hospiz Sternenbrücke e. V.  Die Schirm- herrschaft wird von Dr. Isabella Vértes-Schütter (Intendantin des Ernst-Deutsch-Theaters) und Annegrethe Stoltenberg (damalige Landespastorin und Leiterin des Diakonischen Werkes Hamburg) übernommen.

2000 Im November erscheint der erste große Artikel zum geplanten Aufbau des Kinderhospizes im Hamburger Abendblatt. Zu diesem Zeitpunkt arbeitet der Vorstand gemeinsam mit Freunden und Verwandten von zu Hause aus und trifft sich im privaten Umfeld. Als die Kapazitäten jedoch nicht mehr ausreichen, wird für die Ehrenamtlichen das erste kleine Büro am Rödingsmarkt angemietet. Parallel dazu beginnt die Suche nach einem geeigneten Ort für das Kinderhospiz.

2001 Durch den Tipp einer betroffenen Mutter findet Ute Nerge ein schönes Haus im Hamburger Stadtteil Rissen, welches genau ihren Vorstellungen entspricht. Es zeichnet sich durch einen weitläufigen, ruhigen Garten und eine direkte Anbindung an die Hamburger Innenstadt aus. Die Bezirks- versammlung in Altona spricht sich für die Eröffnung des Kinder-Hospiz Sternenbrücke aus und am 18. Mai wird der Mietvertrag für die Villa im Sandmoorweg 62 unterschrieben.

Am 7. September wird die Stiftung Kinder-Hospiz Sternenbrücke von der Stiftungsaufsicht zugelassen. Den Vorsitz übernimmt Dr. Isabella Vértes-Schütter, weitere Vorstandsmitglieder sind Ute Nerge und Peer Gent.

Am 18. Dezember zeichnet der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, im Rahmen des „start social“ Wettbewerbs, die Sternenbrücke als einen von fünf Siegern unter 2.000 Projekten mit einem Preis von 5.000 DM aus.

2002 Die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt bereitet dem Kinder-Hospiz Sternenbrücke eine große Freude, als sie im Rahmen einer Hausbesichtigung 1,64 Millionen Euro aus Bundesmitteln für den behindertengerechten Umbau des Hauses zusichert. Diese sollen jedoch erst zugewendet werden, wenn das Haus Eigentum der Stiftung wird.

Die erste Publikation, unser Infobrief „Sternenbrücke aktuell" erscheint im Juli mit einer Auflage von 8.000 Exemplaren – heute sind es über 80.000. Mit jeder Ausgabe erfahren die LeserInnen Neuigkeiten aus dem Haus und unserem Alltag. Ein großes Sommerfest ist am 24. August mit fast 5.000 BesucherInnen der Beginn für die wenige Tage später startenden Umbaumaßnahmen, mit denen das Haus behindertengerecht gestaltet wird.

2003 Am 17. Mai wird am Vormittag mit großer Unterstützung der haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen sowie über 450 offiziell geladenen Gästen, unter anderem PolitikerInnen, prominenten UnterstützerInnen und betroffenen Familien, das Kinder-Hospiz Sternenbrücke eröffnet. Am Nachmittag erleben ca. 2.000 BesucherInnen einen schönen „Tag der offenen Tür“ und lernen erstmals das Haus kennen. Seitdem findet unser „Tag der offenen Tür“ jedes Jahr am 1. Mai statt.

2004 Unter dem Motto „Sei ein Engel – verdien' Dir Flügel“ wird am

29. September erstmals unser „Tag des Engels“ begangen, an dem wir jährlich zu kreativen Unterstützungsaktionen für die Sternenbrücke aufrufen.

Mit dem Therapiebad wird am 22. Oktober, nach zweijähriger Bauzeit, ein ganz besonderes Angebot für die Familien geschaffen. Als Ergänzung für Pflege und Schmerztherapie erfahren die erkrankten jungen Gäste im Auftrieb des warmen Wassers Entspannung sowie Schmerzlinderung.

2005 Am 30. September wird der Garten der Erinnerung eröffnet, der den Familien Raum für Trauer und die Erinnerungen an ihre verstorbenen Kinder geben soll. Jedes „Sternenkind“, das in der Sternenbrücke verstorben ist, erhält ein kleines Lämpchen, in dem ein Lichtlein brennt. Bewacht werden die Erinnerungen von einem großen Engel aus Sandstein, den Ute Nerge gemeinsam mit einem Steinbildhauer und nach den Vorstellungen der Kinder geschaffen hat.

2006 Im Rahmen des „Tag der offenen Tür“ am 1. Mai feiern die MitarbeiterInnen der Sternenbrücke zusammen mit den Besuchern die Eröffnung der Steinwerkstatt. Da Trauerarbeit nicht nur als Gesprächskultur, sondern auch praktisch zu verstehen ist, bietet die Steinwerkstatt den Eltern seitdem die Möglichkeit, mit ihren Händen etwas Bleibendes für sich selbst oder für ihr erkranktes Kind zu schaffen.

2007 Da nach dem Verlust eines Kindes in der Sternenbrücke oft Briefe für das verstorbene Kind eingehen, entsteht für diese Nachrichten ein beson- derer Ort, der „Briefkasten der Erinnerung“. Er wird am Tag der Erinnerung von Ute Nerge und den Geschwistern geöffnet. Die darin liegenden Briefe werden in einem liebevollen Ritual verbrannt, sodass die Zeilen als Rauch in den Himmel steigen. Dort werden sie wieder zu Buchstaben und die Sternenkinder können sie lesen – so die Gedanken der Geschwister.

2008 Am 19. Mai wird im Hamburger Planetarium mit 200 geladenen

Gästen der fünfte Geburtstag der Sternenbrücke gefeiert. Begleitet wird

die Veranstaltung von einfühlsamen Reden des Vorstandes und Musik von Rolf Zuckowski. 

Im Herbst beginnen die Erweiterungsarbeiten für das Jugendhospiz, in dem die Sternenbrücke fortan auch junge Erwachsene bis 27 Jahre sowie ihren Angehörigen mit helfenden Händen zur Seite stehen möchte.

2009 Der 10. Geburtstag des Fördervereins für das Kinder-Hospiz Sternenbrücke e. V. wird am 21. November mit 600 Gästen im Atrium der HanseMerkur Versicherung gefeiert. Im Rahmen eines stimmungsvollen „Winterzaubers“ wird den Anwesenden ein märchenhaftes Unterhaltungsprogramm – unter anderem mit Musik von Rolf Zuckowski und einem Kinderchor, Ballett von John Neumeier sowie kreativen Bastelideen und Lesungen – geboten.

2010 Ute Nerge erhält am 25. Februar im Rahmen einer großen Preisverleihung in Berlin die „Goldene Bild der Frau“, eine Auszeichnung für Mut, Stärke und Nächstenliebe. Laudatorin ist Anna Loos. Zudem wird sie zusätzlich zur „Königin der Leserherzen“ gewählt. Die Laudatio hierfür hält Ursula von der Leyen. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 40.000 Euro wird für die Sanierung des Therapiebades genutzt.

Am 16. April wird mit 280 geladenen Gästen aus Politik und dem Gesundheitswesen sowie zahlreichen UnterstützerInnen und betroffenen Familien das Jugendhospiz als Anbau für junge Erwachsene bis zu einem Altern von 27 Jahren eröffnet.

2011 Am 20. Januar wird die Akademie Kinder-Hospiz Sternenbrücke  eröffnet und wendet sich seither mit einem umfangreichen Fort- und Weiterbildungsprogramm an medizinische Berufsgruppen sowie MitarbeiterInnen aus dem psychosozialen Bereich. Einige Fortbildungen richten sich speziell auch an PädagogInnen, LehrerInnen und ErzieherInnen. Ebenso integriert sind Kurse für ehrenamtliche MitarbeiterInnen im Kinderhospizbereich sowie betroffene Eltern und Angehörige.

Um Familien mit lebensbegrenzt erkrankten Kindern auch in der Häuslichkeit begleiten zu können, wird am 29. Juli der Ambulante Kinder-Hospiz Pflegedienst Sternenbrücke eröffnet, der Betroffene fortan in Hamburg betreut. Von der ersten Diagnosestellung bis über den Verlust des erkrankten Kindes hinaus, kann die Sternenbrücke den betroffenen Familien so auch mobil zur Seite stehen.

2012 Einen ganz besonderen Augenblick dürfen die MitarbeiterInnen des Kinderhospizes im Februar erleben: Eine Geburt in der Sternenbrücke. Eine hochschwangere Mutter bittet die Sternenbrücke um Hilfe, da das Lebensende ihrer schwerkranken Tochter mit dem Geburtstermin zusammenfallen könnte. Dafür wird der Therapie- und MPS-Bewegungsraum in ein Geburtszimmer umgewandelt. Mit großer Freude wird dort ein neues, kleines Leben geboren.

Am 25. und 26. Oktober veranstaltet die Sternenbrücke im Rahmen der Hamburger Hospizwoche in der Patriotischen Gesellschaft eine besondere Ausstellung über sensible Rituale des Abschiednehmens und verschiedene Bestattungskulturen.

Am 30. November besucht der damalige Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr die Sternenbrücke. Bei einem ausführlichen Rundgang durch das Haus mit Hospizleiterin Ute Nerge und Geschäftsführer Peer Gent zeigt er sich sichtlich beeindruckt von den vielfältigen Aufgaben und der Arbeit des Kinderhospizes.

2013 Im Mai wird die Sternenbrücke 10 Jahre alt. Im Rahmen unseres „Tag der offenen Tür“ am 1. Mai wird der Geburtstag mit einem großen Bühnen- programm und einem Auftritt von Rolf Zuckowski gefeiert. Zudem kann mit seiner Hilfe eine besondere Idee umgesetzt werden: Die Jubiläums-CD

„10 Lieder zum 10. Geburtstag“ wird fortan zu Gunsten der Sternenbrücke verkauft und enthält von betroffenen Familien und MitarbeiterInnen der Sternenbrücke ausgesuchte Lieder von Rolf Zuckowski.

Am 14. Mai übergeben der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Olaf Scholz, die HSV-Bundesligamannschaft und dessen damaliger Vorstandsvorsitzender Carl-Edgar Jarchow im Rahmen der HSV-Initiative „Der Hamburger Weg“ 40.000 Euro für die Renovierung des Freizeitraums und greifen sogar selbst zum Pinsel.

Seit Mitte Mai ist unser Sternenbrücken-Stadtbus, ein Geburtstagsgeschenk des HVV, auf Hamburgs Straßen unterwegs. Als wechselnde Linie kann er fast überall in der Stadt gesichtet werden. Mithilfe dieses besonderen Busses haben wir die einmalige Chance, auf die Arbeit der Sternenbrücke auf so großer – und dazu auch noch mobiler – Fläche aufmerksam zu machen.

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Kinderhospizes ehrt der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Olaf Scholz, vor knapp 100 Gästen am 28. Mai im Rahmen eines Senatsempfang im Hamburger Rathaus die Sternenbrücke für ihr Engagement.

Vom 4. bis 14. Juni informiert eine Ausstellung mit Hilfe von 48 Tafeln und einfühlsamen Texten sowie Bildern im Hamburger Rathaus über die Arbeit der Sternenbrücke.

2014 Ute Nerge bekommt am 17. Februar in einer feierlichen Zeremonie in der Landesbibliothek Kiel den „Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland“ verliehen. Mit dieser Auszeichnung werden BürgerInnen geehrt,  die sich auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet besonders auszeichnen. In der Laudatio hebt der schleswig-holsteinische Staatssekretär Stefan Studt ihren jahrelangen, unermüdlichen Einsatz für das Wohl aller Gäste der Sternenbrücke hervor.

Im Rahmen der Hamburger Hospizwoche veranstaltet das Kinder-Hospiz Sternenbrücke am 13. Oktober ein Podiumsgespräch zum Thema „Der Angst vor dem Lebensende mit Wissen begegnen – Ein Austausch mit Experten aus dem Palliativbereich“ im Kollegiensaal des Altonaer Rathauses.

Darüber hinaus findet im Rahmen der Aktionswoche vom 13. bis 17. Oktober eine Ausstellung im Altonaer Rathaus statt, die Interessierte über die Arbeitsinhalte des Kinder-Hospiz Sternenbrücke aufklärt.

Am 11. November wird die Sternenbrücke mit dem ersten Preis des Hamburger Stiftungspreises in Höhe von 10.000 Euro, der besonderes Engagement auf sozialem und kulturellem Gebiet auszeichnet, geehrt. Überreicht wird dieser von der Hamburger Senatorin für Justiz und Gleichstellung Jana Schiedek, die das Kinderhospiz in ihrer Rede als „einzigartigen Ort“ beschrieb.

2015 Damit „unsere“ Familien auch zukünftig in Gedenken an ihr Sternenkind eine Lampe in unserem Garten der Erinnerung aufstellen können, musste er erweitert werden. Dank vieler Spenden konnte er um einen weiteren, identisch gestalteten Garten ergänzt und am 17. April gemeinsam mit verwaisten Eltern eröffnet werden. Zusammen formen die Gärten nun ein Unendlichkeitszeichen und den Familien kann weiterhin ein würdiger Ort für die Gedanken an ihre Kinder geschenkt werden.

2016 Am 1. Mai eröffneten wir feierlich unsere Blockhütte – ein Rückzugsort für unsere jungen Gäste. Durch ihre behindertengerechte Ausstattung bietet sie den erkrankten Menschen die Möglichkeit, in Begleitung der Pflegekräfte, aber abseits der stationären Räumlichkeiten, schöne Momente zu verleben. Für die Geschwister stellt sie einen Ort dar, an dem sie Zeit außerhalb des Pflegealltages verbringen, sich mit Gleichgesinnten austauschen und spielen können.

Seit der Eröffnung des Kinder-Hospiz Sternenbrücke im Jahr 2003 waren rund 500 Familien in unserem Haus zu Gast – 167 Kinder sind in diesem Zeitraum in der Sternenbrücke verstorben. Auch in Zukunft bleiben wir auf unserem Weg nicht stehen und freuen uns, wenn Sie an unserer Seite sind.

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